Informationsblatt Barrierefreiheit 2016


Mit 01.01.2016 ist die letzte Übergangsbestimmung für Organisationen hinsichtlich baulicher Barrierefreiheit gefallen. Unternehmer_innen sind angehalten, sich mit der Thematik zu befassen und Lösungen vorzeigen zu können.


Barrierefreiheit: Was bedeutet das?
Das Bundes-Behindertengleichstellungsgesetz (BBGstG) enthält eine verbindliche Definition von Barrierefreiheit.

BBGstG § 6. (5) „Barrierefrei sind bauliche und sonstige Anlagen, Verkehrsmittel, technische Gebrauchsgegenstände, Systeme der Informationsverarbeitung sowie andere gestaltete Lebensbereiche, wenn sie für Menschen mit Behinderungen in der allgemein üblichen Weise, ohne besondere Erschwernis und grundsätzlich ohne fremde Hilfe zugänglich und nutzbar sind.“

In der unternehmerischen Praxis geht Barrierefreiheit weit darüber hinaus. Barrierefreiheit im Sinne des Design for All-Prinzips, deckt die Mobilitäts- und Komfort- Bedürfnisse der Gesellschaft ab und sichert dem Unternehmen eine weitere Möglichkeit, jede Zielgruppe ansprechen zu können.


Zielgruppen von Barrierefreiheit1

  • Menschen mit Sinnes- und körperlicher Einschränkung
  • Ältere Menschen
  • Chronisch erkrankte Menschen
  • Menschen mit temporären Beeinträchtigungen
  • Kleinwüchsige Menschen
  • Schwangere Frauen
  • Familien mit Kinderwagen
  • Kinder
  • Personen mit schwerem Gepäck / Lasten
  • Begleitpersonen und Menschen, die Wert auf Komfort legen

 
Welche Gebäude sind betroffen?

a) Neu-, Zu- und Umbauten
Für Neu-, Zu- und Umbauten gelten die Bestimmungen nach BBGstG §19 schon seit 01.01.2006.

b) Bestehende Bauten
Bei bestehenden Bauten müssen nach BBGstG §19 bis 31.12.2015 Adaptierungen vorgenommen werden, um die baulichen Barrieren zu beseitigen.


Welche Räume sind barrierefrei zu gestalten?
Die Thematik Barrierefreiheit betrifft sämtliche Räume des Betriebs. Im Konkreten wird jedoch von „funktionalen Einheiten“ gesprochen.


Als „funktionale Einheiten“ gelten beispielsweise:

  • der Zugang zum Betrieb, Parkplatzgestaltung, Garage,…
  • Eingangssituation, Informationsschalter,…
  • Verkaufsräume, Gästezimmer, Hotelzimmer, Restaurant, Wellness-Bereich,…
  • Gänge, Treppen, Aufzüge,…
  • Außenbereiche, Freizeitanlagen,…



Welche Kosten sind für Maßnahmen der Barrierefreiheit zumutbar?
Um wirtschaftliche Härten abzufedern, sieht der Gesetzgeber einen Etappenplan zum Abbau von baulichen Barrieren vor. Geregelt ist dies durch Zumutbarkeitsgrenzen der Übergangsbestimmungen § 19 BBGstG. Seit 01.01.2013 gelten demnach Investitionen in der Höhe von € 5.000,- im Bereich einer funktionalen Einheit als zumutbar. Mit 01.01.2016 sind auch Kosten darüber hinaus zumutbar.


Was passiert, wenn Barrierefreiheit nicht herstellbar ist?
Sollte ein Betrieb aus begründeten bautechnischen oder finanziellen Gegebenheiten nicht barrierefrei adaptierbar sein, ist vom Betrieb trotzdem nachzuweisen, dass er sich um einen Abbau der Barrieren bemüht hat und spezielle Lösungen anbieten kann.


Ansprechpartner_innen
Es gibt bereits Expert_innen, wie Comfort4all, die bei Bedarf mit spezifischem Knowhow in Bezug auf Barrierefreiheit zur Seite stehen. Barrieren können nicht nur erfasst, sondern mithilfe eines Kompetenznetzwerks auch beseitigt werden. Zudem lassen sich maßgeschneiderte Konzepte erarbeiten, um wirtschaftliche Chancen zu erhöhen.

1 Nach Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie (Deutschland), Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (Deutschland) (Hrsg.) (2010): Wirtschaftsfaktor Alter.
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